chauvi.blog

04/10/2007

Kein Blogstreik heute

Heute sollen ja -zumindest wenn es nach free-burma.org geht- alle Blogs in Deutschland und der grossen weiten Welt geschlossen bleiben, um gegen das Militätregime in Myanmar zu protestieren:

Wir wollen ein Zeichen für den Frieden setzen und den Menschen, die ihr grausames Regime ohne Waffen bekämpfen, unsere Sympathie bekunden.

Wer es mag …

Mein Blog bleibt heute offen (ja, und ich schreibe seit ein paar Wochen auch mal wieder einen Artikel… sorry dass ich so lange nix geschrieben habe).

Warum beteilige ich mich nicht daran? Nun, es ist ganz bestimmt keine schlechte Idee gelegentlich mal was für andere zu machen, und sei es auch nur Ihnen zu versichern, dass sie die Sympathie der Guten haben. Aber seien wir doch mal ehrlich: Das interessiert die Mächtigen dieser Welt überhaupt nicht. Sie zittern bestimmt nicht, nur weil ein paar hundert Blogger sich heute weigern Dinge zu veröffentlichen – die sie heute halt vorbereiten und dann eben morgen reinstellen.

Aktionen wie diese halte ich im übrigen immer für einen Hype der eine -wenigstens meiner Meinung nach- bedenkliche Eigendynamik entwickeln kann.

Ich erinnere da nur an 1991. Der Irak marschierte 1990 in Kuwait ein, und leitete mit dieser Aktion den sogenannten zweiten Golfkrieg ein. Deutschlands Karnevalisten, Narren, Hästräger und sonstiges Volk das sonst gerne auf die Strassen geht war derart erschüttert, dass fast alle, aber auch wirklich fast alle den Fasching/Karneval/Fastnacht aus Solidaritätsgründen absagten.

Ich bin heute noch gottfroh, dass wir als Studentenschaft an der FH Ulm den traditionellen Faschingsball dennoch durchgeführt haben – trotz heftigster Bedenken seitens des Hochschulrektors (“Man kann das Ganze ja als Semesterabschlussball deklarieren …”)

Die erwähnte Eigendynamik war ja gegeben: Man musste sich rechtfertigen wenn man das tat was man immer tut, und um es zu tun musste man sich verbiegen und eine möglichst gut klingende Ausrede finden, mit der man nötigenfalls politisch korrekt an die Öffentlichkeit treten kann, so es denn nötig ist. Das taten wir damals nicht, und das mache ich heute auch nicht.

Als dann 1992 auch Stimmen laut wurden, den Fasching doch noch einmal abzusagen, weil es auf dieser Welt auch jetzt genug Krieg, Leid und Elend gibt wurde einem gesagt, dass man ja nicht für immer sich den Spass verderben lassen könne und dass einmal Solidarität ja schliesslich auch genug sei – schliesslich könne man sich das als Verein finanziell ja gar nicht leisten.

Soviel also zur Ernsthaftigkeit der damaligen Aktion (was sich meiner Meinung nach für fast alle Aktionen dieser Art sagen lässt).

Wenden wir uns wieder dem heute zu. Warum nur Myanmar? Warum nicht auch an die Kurden denken, an Tibet, an Dafur? Oder sind wir da schon zu abgebrüht für? Haben wir uns an den Bildern schon sattgesehen, langweilt es uns?

In Kiesows Blog wird das so beschrieben:

dieses blog bleibt heute geöffnet. wieso auch nicht?

stattdessen denke wir auch mal an: den sudan, an somalia, an den irak, an nordkorea, sri-lanka und natürlich an china. aber auch einmal an länder wie ägypten, die türkei, saudi-arabien und pakistan. auch könnte man noch die zentralafrikanische republik, zimbabwe, den tschad, angola, burundi, den kongo, georgien, tschetschenien und usbekestian erwähnen. die üblichen verdächtigen wie den iran, syrien, libanon und russland nicht zu vergessen.
und all die vielen anderen länder, die in diesen tagen ignoriert werden, in denen jeden menschen von den regierungen verschleppt, gefoltert und umgebracht werden.

Bei allem Selbstbewusstsein: Ich bin echt froh dass ich mit meiner Meinung zu diesem Thema nicht ganz alleine bin.

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